Exkursion nach Grafeneck
Erinnerung für die Zukunft: Besuch der Gedenkstätte Grafeneck durch die Stufe 13 des Wirtschaftsgymnasiums
Am 22. September 2026 besuchte die Jahrgangsstufe 13 des Wirtschaftsgymnasiums die Gedenkstätte Grafeneck – einen der zentralen Erinnerungsorte der NS‑„Euthanasie“-Verbrechen. Der Besuch war eingebettet in die vorbereitende und nachbereitende Unterrichtsarbeit, in der die Schülerinnen und Schüler sich bereits intensiv mit den historischen Hintergründen, den Mechanismen der Ausgrenzung und den Folgen staatlicher Gewalt gegen Minderheiten auseinandergesetzt hatten.
Während eines Workshops und einer Führung über das Gelände erhielten die Jugendlichen nicht nur historische Informationen, sondern auch die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen und kritisch zu reflektieren. Im Dialog mit den pädagogischen Fachkräften der Gedenkstätte wurden zentrale Themen vertieft – etwa die Verantwortung des Einzelnen, die Rolle staatlicher Institutionen und die Bedeutung einer aktiven Erinnerungskultur für eine demokratische Gesellschaft.
Besonders eindrücklich wirkte der Ort selbst: Die Begegnung mit den Biografien der Opfer und die authentische Umgebung machten spürbar, wie schnell Menschenwürde und Rechte in Gefahr geraten können, wenn Ausgrenzung und Entmenschlichung gesellschaftlich akzeptiert werden. In den anschließenden Unterrichtsgesprächen wurde deutlich, wie sehr die historische Auseinandersetzung hilft, aktuelle Entwicklungen zu verstehen. Auch kritische Rückfragen und die Diskussion, wie Erinnerungskultur in der heutigen Zeit geschehen soll, war ein Thema.
Denn die Thematik ist heute von bedrückender Aktualität: Minderheiten werden zunehmend offen angegriffen – in sozialen Medien, in öffentlichen Debatten und auf politischer Ebene durch extreme und extremistische Parteien. Abwertende Sprache, gezielte Desinformation und digitale Hetze zeigen, wie fragil demokratische Werte sein können, wenn sie nicht aktiv verteidigt werden. Die Schülerinnen und Schüler erkannten, dass die Muster der Ausgrenzung, die in Grafeneck ihren grausamen Höhepunkt fanden, sich in veränderter Form auch in der Gegenwart wiederfinden.
Der Besuch in Grafeneck war damit weit mehr als historisches Lernen. Er war ein Beitrag zur politischen Bildung und ein eindringlicher Appell, Verantwortung zu übernehmen. Erinnerungskultur bedeutet nicht nur, auf die Vergangenheit zu schauen – sie ist ein aktiver Prozess, der unsere Gegenwart prägt und unsere Zukunft schützt.


