Erinnern, um Demokratie zu stärken
Was bedeutet Demokratie? Wie kann sie geschützt werden? Und warum ist es wichtig, sich auch mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus mit dessen Verbrechen auseinanderzusetzen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler der Georg-Goldstein-Schule Bad Urach im Rahmen ihrer Demokratiebildung.
Anlässlich des Anne-Frank-Tages wurde an der Schule eine Ausstellung über Anne Frank präsentiert. Unter dem Motto „Gegen das Vergessen“ erinnerte sie an das Schicksal des jüdischen Mädchens, dessen Tagebuch bis heute Menschen auf der ganzen Welt bewegt. Die Ausstellung machte deutlich, wohin Ausgrenzung, Menschenfeindlichkeit und die Missachtung demokratischer Grundwerte führen können.
Für die Schülerinnen und Schüler besonders interessant war die Exkursion zur KZ-Gedenkstätte Dachau. Knapp 90 Schülerinnen und Schüler besuchten gemeinsam mit fünf Lehrkräften im Rahmen des Gemeinschaftskundeunterrichts die historische Gedenkstätte.
Das Konzentrationslager Dachau wurde bereits 1933 als erstes dauerhaft bestehendes Konzentrationslager des NS-Regimes errichtet und bestand bis zu seiner Befreiung im Jahr 1945. Während einer Führung erfuhren die Jugendlichen, unter welchen unmenschlichen Bedingungen die Häftlinge leben mussten, welche Verbrechen dort begangen wurden und welche Bedeutung die Gedenkstätte heute für das Erinnern hat. Anschließend erkundeten die Schülerinnen und Schüler das Gelände eigenständig und setzten sich in den Ausstellungen und an den Erinnerungsorten vertiefend mit den Schicksalen der Opfer auseinander.
Für viele war der Besuch bewegend. Geschichte wurde an diesem Ort greifbar und zeigte eindrucksvoll, dass Demokratie, Freiheit und Menschenwürde keine Selbstverständlichkeit sind. Gerade junge Menschen erleben den Nationalsozialismus nur noch aus Erzählungen oder Geschichtsbüchern. Umso wichtiger sind authentische Lernorte, an denen Geschichte nachvollziehbar und begreifbar wird.
Die Georg-Goldstein-Schule versteht Demokratiebildung deshalb nicht als einmaliges Projekt, sondern als festen Bestandteil ihres Bildungsauftrags. Angesichts zunehmender extremistischer und rechtsextremer Tendenzen in unserer Gesellschaft gewinnt die Erinnerungsarbeit mehr denn je an Bedeutung. Schulen tragen eine besondere Verantwortung: Wenn junge Menschen dort nicht lernen, wohin Hass, Ausgrenzung und die Missachtung demokratischer Werte führen können – wo dann? Erinnerung schafft Wissen, Wissen fördert Haltung. Nur wer die Geschichte kennt, kann demokratische Werte bewusst verteidigen und rechten Entwicklungen entschieden entgegentreten.
Mit der Anne-Frank-Ausstellung und dem Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau setzte die Georg-Goldstein-Schule ein deutliches Zeichen gegen das Vergessen – und für eine demokratische, offene und menschenwürdige Gesellschaft.


